Wenn der Kindersegen ausbleibt – Grund für Trauer

Es ist nach wie vor ein Tabu in unserer Gesellschaft: Unerfüllter Kinderwunsch. Dabei betrifft diese Thematik jedes 5. Paar. Oft sind es jahrelange Bemühungen, die mit der Sehnsucht nach einem Kind einhergehen. Es wird alles getan, um endlich schwanger zu werden. Frauen nehmen belastende Hormonbehandlungen auf sich. Männer fühlen sich in ihrer Männlichkeit in Frage gestellt. Das Warten von einem Menstruationszyklus zum nächsten gleicht bei einigen Paaren einer Zerreißprobe, unter der schließlich auch das Miteinander und die Sexualität leiden.

Die Frage „Haben Sie Kinder?“ reicht für betroffene Paare meist schon aus, um sie in ein Gefühl der Unzulänglichkeit kippen zu lassen. Unerfüllter Kinderwunsch ist auch deshalb ein Tabuthema, weil er in unserer Leistungsgesellschaft als Versagen und Scheitern empfunden wird. Weit gefehlt. Unsere Lebensbedingungen haben sich so stark verändert, dass sich Stress- und Umweltbelastungen auch auf die Fruchtbarkeit von Mann und Frau drastisch auswirken.

Bleibt der Kindersegen dann tatsächlich aus und es wird klar, dass ein Leben zu zweit statt eines zu dritt oder viert zu gestalten ist, braucht es eine neue Ausrichtung. Doch bevor diese sich wirklich öffnen kann, ist Trauerarbeit nötig. Diese Trauerarbeit schmerzt. Es tut weh, den tiefen Wunsch, eigene Kinder haben zu wollen, zu verabschieden. Und es braucht Zeit, sich mit dieser Tatsache wirklich innerlich zu versöhnen.

Psychotherapie kann dahingehend unterstützen, dass nach der Trauer wieder Lebensfreude einziehen darf und ein Bejahen des eigenen Weges möglich wird. Werte und Ziele können überdacht werden. Für die Paarbeziehung schafft dieser bewusst gestaltete Prozess eine tiefere Ebene der Verbundenheit. Das Versöhnen mit dem Unerfüllten eröffnet neue, ungeahnte Räume.